Auswirkungen der Schweizer Vorschriften für nachhaltige Finanzen auf Family Offices
Autor:Familiarize Team
Zuletzt aktualisiert:January 27, 2026
Die Reputation der Schweiz für die Verwaltung von Privatvermögen überschneidet sich nun mit einer sich schnell entwickelnden Agenda für nachhaltige Finanzen, die Familienbüros zwingt, Governance, Investitionsauswahl und Berichterstattung im Hinblick auf die neuen Anforderungen der FINMA und der Kantone zu überdenken.
Überblick
Der Schweizerische Bundesrat hat zusammen mit der FINMA im Jahr 2024 eine Reihe von Vorschriften für nachhaltige Finanzen eingeführt, die im Laufe des Jahres 2025 verfeinert wurden. Diese Regeln erweitern die Konzepte der EU-Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzen (SFDR) auf inländische Akteure und verlangen klare ESG-Richtlinien, Standards zur Messung der Auswirkungen und regelmäßige Berichterstattung über Nachhaltigkeitsrisiken. Die kantonalen Aufsichtsbehörden, insbesondere in Zürich und Genf, haben lokale Aufsichtserwartungen hinzugefügt, was ein mehrschichtiges Compliance-Umfeld schafft. Für Family Offices - oft privat gehaltene, multigenerationale Vermögensvehikel - bedeuten diese Entwicklungen die Notwendigkeit von Richtliniendokumentationen, Datenbeschaffungsprozessen und die Ausrichtung von Investitionsmandaten an den Zielen des Klimawandels. Während die regulatorische Belastung erheblich ist, eröffnet der Wandel auch Wege zu wirkungsorientierten Investitionen, verbessertem Reputationskapital und einer stärkeren Risikominderung.
Schweizer Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzen (SFDR) und ihre direkten Auswirkungen auf Family Offices
Die Schweizer Anpassung der SFDR, offiziell bekannt als die Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzierungen (SFDO), verlangt von allen Marktteilnehmern im Finanzsektor, einschließlich Family Offices, die Vermögenswerte über CHF 100 Millionen verwalten, offenzulegen, wie Nachhaltigkeitsrisiken in Investitionsentscheidungen integriert werden. Die Verordnung definiert drei Offenlegungsebenen:
Stufe 1 - ESG-Politik-Erklärung - Eine prägnante öffentliche Erklärung der ESG-Philosophie des Büros, die die Dimensionen Klima, Soziales und Governance abdeckt. Die Erklärung muss auf der Website des Büros veröffentlicht und mindestens einmal jährlich aktualisiert werden.
Stufe 2 - Transparenz auf Produktebene - Für jedes Anlagevehikel müssen Family Offices einen detaillierten Bericht über Nachhaltigkeitsrisiken bereitstellen, der die Methodik zur Bewertung von ESG-Faktoren, den Anteil der als nachhaltig klassifizierten Vermögenswerte und alle Indikatoren für negative Auswirkungen umreißt.
Stufe 3 - Wirkungsberichterstattung - Wenn ein Büro einen positiven Einfluss beansprucht, muss es die Ergebnisse anhand anerkannter Standards wie den Impact Reporting and Investment Standards (IRIS) oder den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) quantifizieren.
Das Aufsichtshandbuch der FINMA von 2025 stellt klar, dass Nichteinhaltung Aufsichtsmaßnahmen nach sich ziehen kann, einschließlich Geldstrafen von bis zu CHF 500 000 oder Einschränkungen des Lizenzstatus des Büros. Die kantonalen Aufsichtsbehörden haben eine Klausel zur lokalen Wesentlichkeit hinzugefügt, die von den Büros verlangt, regionalspezifische Umweltprobleme - wie das Schmelzen der Alpen-Gletscher oder den Energiewandel im Jura - bei der Bewertung der Auswirkungen zu berücksichtigen.
Familienbüros müssen daher robuste Datenpipelines einrichten, oft in Partnerschaft mit ESG-Datenanbietern, und ESG-Kriterien in ihre Investitionsausschüsse einbetten. Der Wandel fördert auch die Annahme von Grünanleihen-Allokationen und Mischfinanzierungsstrukturen, die seit 2024 in der Schweiz einen Anstieg der Emissionen um 42 % verzeichnet haben.
FINMAs Aufsichtsanforderungen und praktische Compliance-Schritte
Die aufsichtsrechtlichen Erwartungen der FINMA für 2025 konzentrieren sich auf drei Säulen: Governance, Risikomanagement und Transparenz.
Governance
FINMA erwartet einen klaren Governance-Rahmen, der die ESG-Überwachung einem leitenden Angestellten zuweist - üblicherweise dem Chief Investment Officer (CIO) oder einem speziellen Nachhaltigkeitsbeauftragten. Der Vorstand muss die ESG-Richtlinie genehmigen, und das Büro sollte dokumentieren, wie ESG-Aspekte die Treuhandpflichten beeinflussen. Eine typische Governance-Charta umfasst:
Genehmigungsprozess für Richtlinien - Formelle Beschlussfassung des Vorstands, dokumentierte Protokolle und eine unterzeichnete ESG-Richtlinie.
Rollen & Verantwortlichkeiten - Definierte Aufgaben für Investmentanalysten, Portfoliomanager und Compliance-Beauftragte.
Schulung - Jährliche ESG-Schulung für alle Mitarbeiter, mit Zertifizierungsunterlagen, die für Prüfungen aufbewahrt werden.
Risikomanagement
Nachhaltigkeitsfinanzierungsrisiken sind jetzt ein wesentlicher Risikofaktor. Die FINMA verlangt von Family Offices, dass sie ESG-Risiken in ihr bestehendes Risikomanagement-Framework integrieren, indem sie Szenarioanalysen verwenden, die die Klimatransitionspfade widerspiegeln (z. B. 2 °C vs. 4 °C Szenarien). Die Büros sollten:
Führen Sie Stresstests von Portfolios gegen klimabedingte Schocks durch.
Führen Sie ein Risiko-Register, das ESG-spezifische Risiken wie regulatorische Änderungen, Reputationsschäden und Risiken durch stillgelegte Vermögenswerte erfasst.
Berichten Sie über die risikoadjustierte Leistung neben traditionellen Kennzahlen in vierteljährlichen Überprüfungen.
Transparenz & Berichterstattung
Die Berichterstattung erfolgt in einem strengen Rhythmus:
Veröffentlichung der ursprünglichen ESG-Richtlinie - Bis zum 31. März 2026.
Erster Nachhaltigkeitsrisikobericht - Bis zum 30. Juni 2026, der das vorherige Geschäftsjahr abdeckt.
Jährliche Aktualisierungen - Eingereicht bei der FINMA und den kantonalen Aufsichtsbehörden, mit öffentlichen Bekanntmachungen auf der Website des Amtes.
FINMA hat auch ein digitales Berichterstattungsportal, Sustaina‑Connect, eingeführt, das Datenformate (XBRL) standardisiert und die automatisierte Validierung erleichtert. Frühe Anwender berichten von einer Reduzierung des manuellen Berichterstattungsaufwands um 30 %, nachdem sie ihre Portfoliomanagementsysteme mit den Sustaina‑Connect-APIs integriert haben.
Integration von ESG- und Impact-Investitionen in die Strategien von Family Offices
Während die Einhaltung der Vorschriften die Grundlage bildet, betrachten viele Schweizer Family Offices nachhaltige Finanzen als strategischen Hebel. Die folgenden Ansätze haben sich als effektiv erwiesen:
Wirkungsorientierte Portfolio-Konstruktion
Büros erstellen spezielle Mandate für Impact-Investitionen, die messbare Ergebnisse anstreben, wie beispielsweise Kapazitäten für erneuerbare Energien oder Einheiten für bezahlbaren Wohnraum. Durch die Ausrichtung dieser Mandate an den SDGs können Büros greifbare gesellschaftliche Beiträge nachweisen, was bei jüngeren Familienmitgliedern Anklang findet und die Erzählungen über das Erbe verbessert.
Blended-Finance-Strukturen
Schweizer Family Offices investieren zunehmend gemeinsam mit öffentlichen Fonds oder Entwicklungsbanken in Mischfinanzierungsvehikel. Diese Strukturen kombinieren ermäßigte Kapitalmittel mit Fachwissen aus dem privaten Sektor, reduzieren das Risiko und erzielen gleichzeitig hochwirksame Ergebnisse. Die kantonalen Regierungen von Zürich und Waadt haben die Impact-Catalyst-Fonds ins Leben gerufen, die Beiträge von Family Offices akzeptieren und eine bevorzugte steuerliche Behandlung für qualifizierte Investitionen bieten.
ESG-Datenintegration und Technologie
Fortgeschrittene Analyseplattformen - wie Bloomberg ESG, Refinitiv und der lokale Anbieter Swiss Sustainable Finance - ermöglichen es Büros, ESG-Werte direkt in Portfolio-Management-Tools einzubetten. Maschinenlernmodelle können Vermögenswerte mit sich verschlechternden ESG-Kennzahlen kennzeichnen, was eine proaktive Umverteilung anregt. Darüber hinaus werden blockchain-basierte Herkunftslösungen getestet, um die Nachhaltigkeitsnachweise von Private-Equity-Deals, insbesondere im Bereich der sauberen Technologien, zu verifizieren.
Steuer- und Anreizoptimierung
Die kantonalen Steuerbehörden haben Anreize für grüne Investitionen eingeführt, einschließlich reduzierter Vermögenssteuersätze für Beteiligungen an zertifizierten nachhaltigen Vermögenswerten. Family Offices, die einen Teil ihres Portfolios mit diesen Anreizen in Einklang bringen, können jährliche effektive Steuerersparnisse von bis zu 0,5 % des Nettovermögenswerts erzielen, während sie gleichzeitig die regulatorischen Erwartungen erfüllen.
Zukünftige Aussichten und strategische Empfehlungen
Die Landschaft der nachhaltigen Finanzen in der Schweiz wird sich weiterhin entwickeln. Erwartete Entwicklungen umfassen:
Erweiterter Umfang des SFDO - Potenzielle Einbeziehung kleinerer Family Offices (Vermögen > CHF 50 Millionen) bis 2027.
Verpflichtende Offenlegung von Klimarisiken - Die FINMA entwirft eine separate Regelung zu Klimarisiken, die eine quantitative Berichterstattung über den CO2-Fußabdruck für alle Anlagevehikel vorschreiben wird.
Grenzüberschreitende Harmonisierung - Die Angleichung an die Überarbeitungen der EU-Taxonomie könnte Schweizer Büros mit europäischer Exposition betreffen.
Familienbüros sollten einen proaktiven Fahrplan entwickeln:
Führen Sie eine Lückenanalyse durch - Vergleichen Sie die aktuellen ESG-Praktiken mit den Anforderungen der FINMA und der Kantone.
Einrichtung einer dedizierten Nachhaltigkeitsfunktion - Ernennen Sie einen leitenden Mitarbeiter mit Befugnissen über Richtlinien, Risiken und Berichterstattung.
Infrastruktur für Daten investieren - Sicherstellen, dass der Datenfluss von externen Anbietern zu internen Risikomanagementsystemen nahtlos verläuft.
Engagieren Sie sich in Brancheninitiativen - Nehmen Sie an den Arbeitsgruppen der Swiss Sustainable Finance (SSF) teil, um über regulatorische Änderungen informiert zu bleiben und bewährte Praktiken auszutauschen.
Vermitteln Sie den Erbe-Wert - Nutzen Sie ESG- und Impact-Berichterstattung als narratives Werkzeug, um Familienmitglieder um ein gemeinsames Ziel und die langfristige Erhaltung des Wohlstands zu vereinen.
Durch die Betrachtung von Regulierung als Katalysator anstatt als Einschränkung können Schweizer Family Offices ihre Widerstandsfähigkeit erhöhen, aufkommende Chancen im Bereich der Impact-Investitionen nutzen und ihren Ruf als Verwalter von Kapital und gesellschaftlichem Wohlbefinden stärken.
Häufig gestellte Fragen
Warum sind die Schweizer Vorschriften für nachhaltige Finanzen für Family Offices relevant?
Weil die FINMA und die kantonalen Behörden jetzt von Family Offices verlangen, ESG-Kennzahlen offenzulegen, Investitionen mit Klimazielen in Einklang zu bringen und robuste Rahmenbedingungen zur Wirkungsbewertung zu übernehmen, was sich direkt auf die Portfoliozusammenstellung und -berichterstattung auswirkt.
Was sind die wichtigsten Fristen für die Einhaltung der Vorschriften für Family Offices unter den neuen Regeln?
Die primären Fristen sind der 31. März 2026 für die erste Annahme der ESG-Richtlinie, der 30. Juni 2026 für den ersten Nachhaltigkeitsrisikobericht und jährliche Aktualisierungen danach, die alle von der FINMA und den zuständigen kantonalen Aufsichtsbehörden überwacht werden.
Wie können Family Offices regulatorischen Druck in einen Wettbewerbsvorteil umwandeln?
Durch die frühzeitige Integration von ESG-Aspekten, die Nutzung von Impact-Investment-Möglichkeiten und die Demonstration transparenter Berichterstattung können Family Offices gleichgesinnte Partner anziehen, risikoadjustierte Renditen verbessern und ihre langfristigen Erbschaftsziele stärken.